Ein Startup gründen - alleine oder im Team?

Gleich nach der Idee stellt sich die Frage, ob das Abenteuer Gründung alleine oder im Team angegangen wird. Die Beantwortung der Frage ist von vielen Faktoren abhängig:

  • Gibt es überhaupt jemanden, der meine Idee genauso gut findet?
  • Brauche ich weitere Expertise, da ich nicht aus der Branche komme?
  • Will ich im Team gründen, traue ich mir das alleine zu?
  • ...

Damit dir die Entscheidung etwas leichter fällt, habe ich dir einmal die Vor- und Nachteile der Teamgründung und der Einzelgründung aufgelistet, los geht's!


Die Teamgründung


Vorteile der Teamgründung

Vorteil Nr. 1

Gründung im Team bedeutet meist auch gleichzeitig mehr Kapital

Ich rate allerdings davon ab, nur des Geldes wegen im Team ein Startup zu gründen. Das Teammitglied bzw. die Teammitglieder möchten dann in der Regel auch Einfluss haben. Ein Teammitglied sollte also nicht nur Geld, sondern vor allem Mehrwert stiftende Fähigkeiten, Wissen und die gleiche Lust haben wie du. Ein Teammitglied mit Anteilen und entsprechenden finanziellen Mitteln, aber wenig Ahnung und Arbeitswillen, ist wenig sinnvoll – das ist kein Team!

Vorteil Nr. 2

Gründung im Team bedeutet eine größere Außenwirkung

Wenn ihr um Unterstützer Ausschau haltet, eure Idee Anderen vorstellt, mit Lieferanten und Kunden spricht, wirkt ein Team immer besser als ein Einzelkämpfer. Einem Team wird immer mehr zugetraut, auch wenn so mancher Einzelkämpfer mehr erreichen kann als ein Team.

Auch beim Einsammeln von Kapital für die Gründung ist ein Team hilfreich, geben Andere doch eher Geld, wenn hinter einer starken Idee auch ein starkes Team steht!

Vorteil Nr. 3

Gründen im Team bedeutet Kompensieren von Schwächen / Komplettieren von Stärken

Wie du auch in meinem Buch lesen kannst: Beim startup gründen muss man ganz schön viel wissen, sich Wissen aneignen, organisieren, etc. Damit du als Generalist nicht überfordert bist, könnt ihr im Team euch gegenseitig ergänzen, Stress und Risiko teilen.

Vorteil Nr. 4

Eine Teamgründung bedeutet mehr Kompetenzen

Gründe mit Leuten, die über Fähigkeiten und Wissen verfügen, das du nicht hast und deine Geschäftsidee weiterbringen.

Vorteil Nr. 5

Eine Teamgründung bedeutet, Ungewissheit zusammen zu tragen

Du weißt nicht, ob die Geschäftsidee Erfolg hat. Du weißt nicht, wie lange euer Geld reicht, unvorhersehbare Ereignisse können und werden passieren. Deine Teammitglieder müssen diese Ungewissheit mittragen wollen. Es ist gut, in Zeiten voller Probleme, nicht alleine zu sein.

Vorteil Nr. 6

Der erste Schritt

Das Anfangen und "einfach mal machen" ist, wenn wir mal ehrlich sind, doch das Schwerste. Im Team wird diese Hürde eher genommen. Wir fühlen uns sicherer.


Nachteile der Teamgründung

Nachteil Nr. 1

Gründen im Team bedeutet weniger vom „Kuchen“ für jeden

Auch wenn eine Gründung nicht aus rein monetären vollzogen werden sollte, ist wirtschaftlicher Erfolg und Gewinn nun einmal ein wesentlicher Teil vom Gründen. Je mehr Teammitglieder das Unternehmen umfasst, desto weniger bleibt für jeden übrig. Das sollte nicht unerwähnt und unberücksichtigt bleiben.

Nachteil Nr. 2

Gründen im Team bedeutet mehr Diskussionen

Aber ist das wirklich ein Nachteil? Ich bin mir da nicht so sicher. Diskussionen bei einer Entscheidung, kritische Fragen der Anderen - all das schützt vor vorschnellen und unüberlegten Handeln. Vier, Sechs oder mehr Augen sehen immer mehr als zwei und zwei, drei oder mehr Köpfe wissen oft auch mehr als einer. Vielmehr verhindern mehre Personen Fehler, verlangsamt aber auch das Fortkommen, wenn mehr diskutiert als entschieden wird. Es kann ein Nachteil, aber auch ein Vorteil sein. Wie so oft: Es kommt drauf an!

Nachteil Nr. 3

Kompetenzen verteilen und Entscheidungen treffen

Schon in Nachteil Nr. 2 angesprochen, möchte ich das hier gerne etwas ausführen:

In den seltensten Fällen hat das Team schon einmal gegründet. Umso schwieriger ist es oft, Kompetenzen und Entscheidungsträger festzulegen, damit nicht jeder alles macht.​ Auch Partner von außen möchten Kontinuität und nicht einmal mit Peter über den Preis verhandeln und beim nächsten Telefonat sagt Max: "Sorry, Peter hat Ihnen da zu viel Rabatt gegeben, obwohl eigentlich ich dafür zuständig bin!"

Was ist, wenn die Diskussionen aus Nachteil Nr. 2 kein Ende finden und es partout nicht zu einem Ergebnis kommt? Es sollte, nein muss, jemanden geben, der am Ende sagt: "Das machen wir" oder "Das machen wir nicht" und dafür entsprechend die Verantwortung trägt. Aber wer soll dieser jemand sein, wenn ihr euch als Team noch nicht so kennt? Der mit den meisten Anteilen, dem meist investierten Geld, der meist investierten Zeit? Schwierig...

Nachteil Nr. 4

Eine Teamgründung ist nicht immer möglich

Insbesondere im Dienstleistungsbereich, wenn das Startup mit dir steht und fällt, kann eine Teamgründung aufgrund des Geschäftsmodells praktisch ausgeschlossen sein. So etwa, wenn du als Trainer tätig bist, Seminare gibst, tendenziell also ein Freiberufler bist.

Wenn du mit deinem Wissen oder deinen Fertigkeiten Geld verdienst, du für das Kerngeschäft also keine Unterstützung benötigst, ist eine Anstellung oft sinnvoller als jemanden mit Anteilen ins Team zu holen.

Nachteil Nr. 5

Das Aufsetzen eines Vertrages, oder nicht?

Wenn ihr im Team gründet, seid ihr entweder eine Personengesellschaft (GbR/KG/OHG) oder eine Kapitalgesellschaft (UG/GmbH/AG). Bei einer Kapitalgesellschaft, ist ein Gesellschaftsvertrag bzw. eine Satzung ohnehin Pflicht!

Dagegen benötigt ihr einen schriftlichen Gesellschaftsvertrag bei der Gründung einer Personengesellschaft gesetzlich vorgeschrieben nicht. Eine schriftliche Vereinbarung unter euch Gründern ist dennoch zu sehr empfehlen.

Einen Vertrag aufzusetzen ist auf den ersten Blick vielleicht etwas befremdlich. Gerade wenn du mit deinem besten Kumpel oder einem Kommilitonen gründest.

„Wir verstehen uns doch, wozu brauchen wir da Verträge?“

Nun, eine Gründung ist ein Risiko. Du weißt nicht, was passiert, wie ihr euch in einigen Jahren noch versteht, usw. Da ist es sehr wichtig, Regelungen insbesonder für den Fall zu haben, dass ihr geschäftlich getrennte Wege gehen möchtet.

Einen Vertrag aufsetzen zu wollen ist KEIN Zeichen, dass du dem Anderen nicht traust.


Wo und wie findest du Gründungspartner?

Das eigene Umfeld

Hier kannst du zunächst einmal deinen Freundeskreis und den Kreis deiner Kommilitonen in Betracht ziehen. Das geht ganz einfach, wenn du ihnen von deiner Idee erzählst und ihre Reaktion abwartest. Sind sie abweisend, ablehnend oder befürwortend? Ein simples: „Hast du Bock mitzumachen?“ und das war es schon.

Gründerseminare

Dort lernst du viele andere Gründungsinteressierte kennen. Dabei hat nicht jeder bereits eine konkrete Idee oder aber so viele, dass er oder sie sich noch nicht entschieden hat. Kommt einfach ins Gespräch.

Aushang an einer Universität

Hier sind motivierte junge Menschen, die etwas für den Lebenslauf suchen, die etwas Kreatives suchen und generell Erfahrung sammeln möchten. Mutige Menschen, die ebenso Bock haben, das Abenteuer Gründung einzugehen.

Online Plattformen

Sonderfall "Tekkie"

Nach den oben genannten Methoden findest du eher weniger einen Partner, wenn du jemanden ganz Speziellen, insbesondere einen "Tekkie" benötigst. 

Beispiel

Du hast eine Idee für eine App, kannst aber nicht programmieren. Du benötigst also, wie in der Startup-Szene gesagt wird, einen „Tekkie“. Diesen wirst du eher weniger auf Gründerseminaren oder in deinem Studienkreis finden, wenn du nichts in diese Richtung studierst. Hier muss man spezifischer suchen. Das „Problem“ des „Tekkies“ ist eines, das viele haben. Hier bieten mittlerweile u.a. verschiedene Facebook-Gruppen Abhilfe:


Welche Eigenschaften sollte der Mitgründer haben?

Du kennst das sicher aus der Schule, dem Studium oder dem ein oder anderen Job: Am Ende ist immer jemand der Dumme, der alles macht!

Personen mitschleifen möchten wir nicht. Wir möchten jemanden, der genauso hart arbeitet wie wir, damit wir uns gegenseitig antreiben und verbessern. Wichtig sind daher folgende Eigenschaften:

Geduld

Eine Gründung dauert. Gerade wenn du nebenbei noch studierst, wird es Tage geben, an denen auch mal das Studium Vorrang hat. Behördengänge nehmen Zeit in Anspruch, die Planung für die nächsten Schritte, etc. Erste Ergebnisse werden dauern. Geduld ist wichtig, um nicht vorschnell zu handeln und (noch mehr) Fehler zu provozieren.

Verständnis

Gerade am Anfang werden viele Fehler passieren. Innerhalb des Teams sollte eine Fehlerkultur bestehen, in der untereinander keine Vorwürfe gemacht werden. Alles ist in großer Lernprozess. Dass das kein Alibi für Schusseligkeit und Fahrlässigkeit ist, sollte klar sein ;-).

Kompatibilität in der Persönlichkeit

Ihr solltet euch in der Persönlichkeit ergänzen. Zwei diskussionsfreudige Hitzköpfe, die beide eher bestimmend sind, werden auf Sicht mehr Konflikte führen als zielorientierte Entscheidungen treffen. Ein nach außen durchsetzungsstarker Gründer, unterstützend mit einem eher ruhigen, im Hintergrund arbeitenden, das sind oft erfolgreiche Gründerteams.

Zeit

Eine Gründung nimmt viel Zeit in Anspruch. Als Student kannst du dir deine Zeit im Idealfall sehr frei einteilen. Deine Teammitglieder sollten bereit und in der Lage sein, die gleiche Zeit in die Gründung zu stecken wie du. Das ist umso schwerer je mehr Projekte (Nebenjob, Vollzeitjob, diverse Praktika) noch nebenbei laufen. Wichtig ist daher ein gleicher Fokus!

Diskussionsfreude und Neugierde

Keine Ja-Sager. Es ist einfach und bequem, stets „Ja“ zu sagen und vorgegebene Wege zu gehen. Vertrauen im Team ist ebenso wichtig wie Skepsis. Vertraut einander nicht blind, sondern hinterfragt auch einmal Entscheidungen des anderen, äußert eure Meinung dazu.

Gewöhnt euch eine Diskussionskultur an, in der Kritik sachlich geäußert werden kann und andere Auffassungen nicht als persönlicher Affront gewertet werden. All das kannst du schon beim Kennenlernen deiner Teampartner grob herausfinden. Wenn der oder die Andere zu all deinen Vorstellungen deiner Idee nur nickt und „Ja“ und „Amen“ sagt, keine Fragen stellt oder Vorschläge bringt: Nun ja, nicht so gut!

Verlässlichkeit

Verlässlichkeit ist elementar für den Erfolg der Unternehmung. Fristen müssen eingehalten werden, Ziele und Meilensteine erreicht. Kontinuität ist wichtig, Verlässlichkeit ist dafür die Voraussetzung. Ihr müsst euch durchgehend aufeinander verlassen können.

Fazit

Am wichtigsten sind ergänzendes Fachwissen, Verlässlichkeit und das persönliche Miteinander!

Unerlässlich ist Vertrauen. Ihr werdet im Team nicht alles gemeinsam machen, sondern zwangsläufig Kompetenzen aufteilen. Eine Unternehmung, in der sich untereinander misstraut wird, ist zum Scheitern verurteilt!

Höre auf deinen Bauch. Ein Unternehmen zu gründen ist, wie das Finden einer Idee, nicht schwer. Viel schwerer ist es, den Laden am Laufen zu halten. Suche dir die Teampartner daher sehr überlegt aus, damit du nicht eines Tages eine solche Mail bekommst:

„Hey, mein Studium ist mir echt wichtig. Für meine Freundin und den Sport brauche ich auch Zeit. Irgendwie weiß ich auch nicht, ob die Idee so super ist, dass wir damit reich werden. Also eher nein, dass ich dabei bin. Ich hoffe, ihr könnt meine Entscheidung verstehen.

Euch trotzdem viel Glück!“

Die Einzelgründung


Vorteile der Einzelgründung

Vorteil Nr. 1

Niemand hält dich auf

Es gibt keine Sperren oder Blockaden durch endlose Diskussionen. Das Fortkommen des Unternehmens liegt allein an dir!

Vorteil Nr. 2

Flexibel und spontan

Durch kurze Kommunikationswege (Bauch zu Kopf) kannst du ohne Rücksprachen sehr spontan Handlungen vornehmen und/oder korrigieren, ohne dich auch nachher jemandem rechtfertigen zu müssen.

Vorteil Nr. 3

Dir gehört der Kuchen

Wie schon bei den Nachteilen der Teamgründung erläutert, sollte das Geld nicht das Hauptargument, ob Team- oder Einzelgründung sein. Gerade, wenn man weiß, dass die Geschäftsidee nicht sooo viel abwerfen kann oder soll (da z.B. eher als Hobby im Nebengewerbe), bleibt vom ohnehin geringen Gewinn noch weniger übrig, je mehr Gründer mitmischen. Es kann also durchaus sein, dass die Geschäftsidee sich gar keine Teamgründung leisten kann. Klingt komisch, ist aber möglich!


Nachteile der Einzelgründung

Nachteil Nr. 1

Niemand hält dich auf

Was einerseits ein Vorteil ist (siehe oben), kann auch zum Nachteil werden. Deine Entscheidungen werden nicht hinterfragt, du kannst theoretisch einsam in die falsche Richtung rennen und wirst nicht gestoppt. Das kann sehr problematisch werden. Insbesondere dann, wenn du ohnehin eher der Typ bist, der Andere nicht so gerne um Rat fragt.

Nachteil Nr. 2

Niemand tritt dir in den A....

Bei einer Gründung ist man am Anfang immer super motiviert und würde am liebsten gerne gleich morgen das erste Produkt verkaufen. Dann kommen die ersten Probleme von insgesamt 10.000 . Die Motivation lässt vielleicht etwas nach, schwankt während der ganzen Gründung aber ohnehin mal nach oben und mal nach ganz unten. Bei einer Teamgründung können dich deine Mitgründer aufbauen, einen schlechten Tag von dir kompensieren, ... Das geht nicht, wenn du alleine gründest.

Bei einer Einzelgründung ist fortlaufende, intrinsische Motivation für ein erfolgreiches Fortkommen unerlässlich. Damit einher geht ein starkes Durchhaltevermögen. Manchmal musst du auf deine Motivation buchstäblich scheißen und dich durchbeißen oder gar zwingen. Dass langfristig eine hohe Eigenmotivation erforderlich ist und das Zwingen kein Dauerzustand sein darf, versteht sich von selbst. Klar kann es Tage, an denen man keine Lust hat (bei mir ist das jedenfalls so, wenn mal wieder 50 neue Probleme auftauchen und ich erst die anderen 50 hinter mir gelassen habe). Anders als in der Schule, in der Ausbildung oder im Beruf steht und fällt die Gründung eines Unternehmens mit der Eigenmotivation. Du willst dich selbstständig machen.

Nachteil Nr. 3

Du bist das Mädchen für alles

Damit musst du dich auch um Dinge kümmern, die gar nicht zum Tagesgeschäft gehören. Wenn du es dir also nicht leisten kannst, solche Dinge abzugeben (z. B. die Buchhaltung, die Homepagepflege oder den Telefonservice), verbringst du viel Zeit mit Tätigkeiten, die nicht umsatzsteigernd sind und sinnvoller eingebracht werden könnte. 

Hinzu kommt, dass du dich sehr wahrscheinlich in viele Dinge erst einlesen musst. Das steigert einerseits dein Wissen, deine Fähigkeiten und dein Organisationstalent, hindert jedoch an einem zügigeren Fortschritt und Wachstum deines Startups.


Fazit - Aus der Praxis

Ich habe zwei Unternehmen im Team gegründet, ein Buch alleine geschrieben sowie dafür viele Team- und Einzelgründer interviewt. 

Beide Seiten, mit all ihren Vor. und Nachteilen, sind mir bekannt. Tendenziell überwiegen meiner Meinung nach die Vorteile der Teamgründung. Insbesondere, wenn das Startup größer werden soll oder bereits im Studium angegangen wird, sind vier oder sechs Augen und Hände besser als zwei.

Ich mag es, selbst entscheiden zu dürfen und mich in alles einzulesen. Ebenso mag ich es aber auch, zu diskutieren, anderen Input zu erhalten, Fehler zu vermeiden, Arbeit zu teilen und Erfolge zusammen zu genießen. Und ich mag es, groß zu denken. Dafür brauche ich ein starkes Team. 

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