Muss ich BWL studieren um ein Unternehmen zu gründen?

Muss ich BWL studieren, um ein Unternehmen zu gründen?

Gehen wir einmal davon aus, es wäre so.

Jeder Frisör, Bäcker und Café-Betreiber, etc. müsste BWL studiert haben. Ein BWL-Studium wäre quasi Einstiegsvoraussetzung in die Selbstständigkeit, eine Gewerbeanmeldung erst nach Abitur und Hochschule möglich, also mit 20 Jahren+.  Die Vorstellung ist ehrlich gesagt etwas komisch und entspricht auch nicht der Realität. Die Annahme, dass man BWL studieren muss, ist auf diese simple Art und Weise widerlegt.

Du kennst sicher Menschen in deinem Umfeld, die selbstständig sind und keine Betriebswirtschaftslehre studiert haben, aber trotzdem erfolgreich sind. Also 😉 Weitere erfolgreiche und bekannte Gründer ohne abgeschlossenes BWL-Studium sind:​

  • Mark Zuckerberg
  • Bill Gates
  • Steve Jobs
  • René Obermann
  • Erich Sixt
  • Ferdinand Porsche
  • Michael Dell

Nächster Schritt: Hilft ein BWL Studium, ein Unternehmen zu gründen?

Schauen wir uns das BWL-Studium etwas genauer an. Dort gibt es in der Regel Module folgender Art:

  • Marketing
  • Buchführung und Abschluss
  • Kosten- und Erlösrechnung
  • Investition und Finanzierung
  • Controlling
  • Management
  • Wirtschaftsprüfung / Recht
  • Statistik

Auf den ersten Blick sind das alles Themen, mit denen sich ein Unternehmen beschäftigen muss. Ein Unternehmen muss Marketing betreiben, es muss "gemanaged" werden, die Finanzierung muss stimmen, Steuern gezahlt und profitabel gewirtschaftet werden. Das Problem ist nur: Es bleibt oft zu theoretisch! Dazu drei Beispiele:

1

Marketing - AIDA-Prinzip

Das AIDA-Prinzip ist wohl der Standard und die Einführung vieler Marketingvorlesungen. AIDA steht für Attention, Interest, Desire und Action. Gutes und erfolgreiches Marketing sorgt für Aufmerksamkeit bei deiner Zielgruppe, sie weckt das Interesse, den Wunsch und das Verlangen nach deinem Angebot, sodass er dein Angebot schließlich in Anspruch nehmen möchte und dein Produkt kauft oder deine Dienstleistung bucht. Klingt super theoretisch! Du fragst dich eher folgendes:

  • Welche Marketingwege, offline und online, sind für welche Produkte am besten?
  • Wie kann ich die sozialen Medien für günstiges Marketing nutzen?
  • Was sind die wesentlichen Unterschiede von Offline und Online Marketing?
  • Wie komme ich in die Zeitung und das Radio?
  • Wie messe ich den Erfolg von Marketingkampagnen?
2

Investition und Finanzierung

Inhalt der Vorlesung sind unter anderem die statische und dynamische Investitionsrechnung. Du lernst Methoden, anhand derer du beurteilen kannst, welche Investition sinnvoller ist. Begriffe wie Leverage-Effekt und Shareholder-Value werden behandelt und Rechnungen dazu durchgeführt. Super theoretisch und in der Regel weit entfernt von den Dingen, die dich wirklich betreffen! Du fragst dich eher folgendes:

  • Brauche ich einen Kredit von der Bank, wenn ja, wie erhalte ich einen?
  • Welche Förderprogramme (vom Staat) unterstützen mich finanziell bei der Gründung?
  • Was sind Business Angels und Venture Capital?
  • Wie viel Startkapital brauche ich für eine Unternehmensgründung, was kostet ein Unternehmen?
3

Buchhaltung und Abschluss

Hier werden grundlegende Kenntnisse in Buchführung vermittelt, du lernst den Unterscheid zwischen Umsatzsteuer und Vorsteuer und kannst schon Buchungssätze tätigen. Das ist gut! Das beschäftigen mit Rückstellungen, Factoring und Wertpapieren gehört auch zur Vorlesung, jedoch für dich als Gründer am Anfang noch wenig relevant! Es bringt dir herzlich wenig, eine Bilanz ins kleinste Detail zu analysieren. Du fragst dich eher folgendes:

  • Was muss eigentlich in einen Gesellschaftsvertrag?
  • Was ist die Kleinunternehmerregelung?
  • Wie muss eine Rechnung aussehen?
  • Welcher Umsatzsteuersatz gilt für mich und was ist bei Umsätzen mit dem Ausland?
  • Muss ich monatlich eine Umsatzsteuererklärung abgeben, wenn ja, kann ich das alleine oder brauche ich einen Steuerberater?
  • Wie melde ich das Unternehmen beim Finanzamt an, wie fülle ich den Fragebogen zur Steuerlichen Erfassung aus?

Brauche ich also kein BWL-Studium?

Wenn du dich schon gefreut hast, dich damit nicht beschäftigen zu müssen, muss ich dich enttäuschen! Grundkenntnisse in BWL sind bei jeder Gründung, sei die Idee noch so genial, essentiell! Denn: Kosten kalkulieren, Marketing, Vertrieb, Steuern,... Mit all diesen Themen müssen wir uns bei einer Gründung beschäftigen. Wir brauchen also Quellen für Wissen in diesen Bereichen. Diese Quellen können sein:

  • Der Besuch von Seminaren - an deiner Uni, bei der IHK, der Agentur für Arbeit, ...
  • Das Lesen von Büchern
  • Recherchieren im Internet
  • Fragen von Bekannten, die ein Unternehmen führen
  • Praktika in diversen Unternehmen bzw. Abteilungen in diesen Unternehmen

Warum das so wichtig ist? In der Regel bist du am Anfang alleine bzw. in einem kleinen Team. Du musst daher Allrounder sein und quasi alles machen. Also solltest du auch von allem mindestens Grundkenntnisse haben, dich darin einarbeiten oder dir entsprechende Experten suchen...oder?

Das BWL-Studium ist kein Studium, das dich zu einem Unternehmer ausbildet, kann jedoch deine Erfolgschancen erhöhen, da du in viele wirtschaftliche Bereiche schon einmal reingeschnuppert hast und ein Grundverständnis für die Unternehmensgründung mitbringst.

Für die Selbstständigkeit gibt es keine Ausbildung, die beste Ausbildung ist das Tun. Unternehmer sein, Unternehmer werden, das lernt man nur von und mit Unternehmern. 

Es kommt nicht darauf an, was du weißt, sondern ob du bereit bist, es zu lernen.

Kann sein, dass dies ein Zitat ist. Dann sehe es als zitiert an 😉

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