Startup und Scheitern


Scheitern wird in unserer Gesellschaft sehr oft negativ assoziiert. Bzw. es wird gesagt, dass es negativ assoziiert wird. Ob es wirklich so ist, erfahren wir erst, wenn wir tatsächlich einmal scheitern und die darauffolgende Reaktion des Umfelds und der Gesellschaft wahrnehmen. Viele Studenten trauern sich nicht, zu gründen, weil sie Angst vor dem Scheitern haben.

Doch was ist scheitern überhaupt?

Ich denke, dass sich Scheitern in zwei Kategorien einordnen lässt.

Scheitern kann ich nur an etwas. Es muss also eine Situation gegeben haben, die ich nicht so gemeistert habe, wie ich mir das vorgestellt habe. Oder wie andere es sich vorgestellt haben. Da haben wir auch schon die zwei Kategorien von Scheitern. Einmal in der Ich-Perspektive und einmal in der Perspektive von außen.

Ich kann für Außenstehende gescheitert sein, das selbst aber ganz anders sehen. Die differenzierten Wahrnehmungen fußen dann auf unterschiedlichen Erwartungen der Parteien. Deine Zielsetzung beeinflusst deine Wahrnehmung von Scheitern.

Der Begriff des Scheitern kann sich auch noch nach Jahren relativieren. Ein wunderbares Beispiel dafür ist der Maler Vincent Van Gogh. Der niederländische Maler ist aus unserer Betrachtung einer der bedeutendsten Maler der letzten 250 Jahre. Zu seiner Zeit aber war er ein gesellschaftliches Wrack. Er wurde gemieden, denunziert und starb früh. Seine sozialen Kontakte waren gering, die Gesellschaft missachtete ihn. Für die Menschen zu seiner Zeit war er gar als Mensch insgesamt gescheitert.

Unterschiedliche Wahrnehmung und Achtungserfolge

Das Problem ist, wie so oft, eine unterschiedliche Wahrnehmung. Tritt das gewünschte Ergebnis nicht ein, bist du gescheitert. Du wirst am erreichten oder auch nicht erreichten Endergebnis bewertet. Dabei wird Grundlegendes oft missachtet. Auf dem Weg dahin erreichen wir viele kleine Erfolge, Achtungserfolge. Wir dürfen uns diese in der Nachbetrachtung nicht dadurch kleinreden, dass wir nur das Endergebnis betrachten. Der Weg zum Scheitern kann ein Erfolg sein. Das „Problem“ an diesen Achtungserfolgen ist, dass diese nur wir selbst sehen.

Achtungserfolge sind auf viele Lebensbereiche übertragbar, dazu gehört insbesondere die Gründung eines Unternehmens. Beim Gründen eines Unternehmens stehst du vor so vielen Herausforderungen. Da kommt es zwangsläufig zu Situationen, die nicht so verlaufen, wie du es dir vorstellst.

Ich z. B. bin ein eher schüchterner und introvertierter Mensch. Bei Cadopi habe ich lieber im Hintergrund gearbeitet, lieber Mails geschrieben als angerufen, lieber meinen Partner sprechen lassen, wenn wir beide bei einem Termin waren. Was aber, wenn er nicht da war, wenn ich das Unternehmen und unsere Idee vorstellen sollte? In diesen Situationen konnte ich nicht einfach weg. Ich war gezwungen, vor Leuten zu sprechen, mich und uns zu präsentieren – liebend gerne hätte ich das meinem Partner überlassen. Solche Situationen gab es viele, manche waren formell, manche informeller Art, z.B. auf einer Messe. Hier konnte ich für mich persönlich laufend Achtungserfolge verbuchen. Jedes Mal, wenn die Situationen vorbei waren, wusste ich, dass ich es das nächste Mal besser machen werde.

Es war schon ein Erfolg, dass ich es überhaupt gemacht habe, machen musste. Selbst wenn kein Kontakt o.Ä. zustande kam, war es immer noch ein Achtungserfolg, dass ich unseren Unternehmensnamen, Cadopi, ins Gespräch gebracht habe. Und für mich persönlich, dass ich mich Situationen dieser Art gestellt habe, Menschen angesprochen habe und sicherer geworden bin. So wurden diese Achtungserfolge von Mal zu Mal immer mehr und auch die Erfolge immer mehr, weil ich aus den vorherigen Misserfolgen (kein Kontakt, nervöses Stammeln, Vergessen wichtiger Vorteile von meinem Angebot für den Kunden, etc.) die Achtungserfolge als für mich wichtig und bedeutsam betrachtet habe und so weiter den Weg bestritten bin, weil ich wusste, dass es von Mal zu Mal besser werden wird.

Was aber, wenn das Startup scheitert und nicht nur einige Schritte auf dem Weg zum Erfolg etwas holprig verkaufen?

Ok, schauen wir uns einmal den Status Quo an, wenn du versucht hast, ein Start-Up aufzubauen, es aber nicht so recht funktioniert hat:

  • Du hast extrem viel gelernt!
  • Du hast Erfahrungen gemacht, die andere nicht haben machen dürfen!
  • Du hast viele neue Menschen kennengelernt, ein Netzwerk aufgebaut!
  • Du hast dich persönlich weiterentwickelt!

Nur Positives, oder? Gibt bestimmt auch etwas Negatives 😉

Du hast Geld und Zeit verloren.​ Das ist eine Sichtweise. Nach einer anderen Sicht hast du für all die positiven Effekte der obigen Auflistung Lehrgeld bezahlt, bzw. in deine Entwicklung und Bildung investiert. Und schon ist aus dem Negativen wieder etwas Positives geworden 😉

Wenn dir das noch nicht genug der Motivation ist, so beantworte dir die folgenden Fragen bzw. ergänze die folgenden Sätze für den Fall des „Scheitern“.

  • Was habe ich auf dem Weg gelernt, was mir noch helfen wird?
  • Wen habe ich kennengelernt, der für mich wichtig ist, beruflich und privat?
  • Was habe ich gelernt, was auch andere gerne wissen würden?
  • Wenigstens kann ich jetzt...
  • Wenigstens weiß ich jetzt...
  • Wenigstens kenne ich jetzt...

Ich hoffe, du bist jetzt überzeugt, dass auch das Risiko des „Scheitern“ kein Grund ist, das Abenteuer Gründung nicht zu beginnen 🙂

Dieses Buch hat mich zu diesem Beitrag inspiriert: Scheitern, na und?: Wer Fehler macht, hat mehr vom Leben (Affiliatelink)

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